Ein Air Bike verbindet Beinarbeit mit dem aktiven Einsatz des Oberkörpers. Doch wie unterscheidet es sich von einem Fahrradergometer, was bedeuten die Konsolenwerte und wie lässt es sich sinnvoll nutzen? Hier erfährst du, was das Gerätekonzept auszeichnet und wie du seine Möglichkeiten richtig einordnest.
Air Bike, Fahrradergometer oder Indoor Cycle: Was passt zu dir?
Die entscheidende Frage ist, welche Bewegung du suchst und wie du deine Belastung steuern möchtest. Ein Air Bike mit beweglichen Armhebeln bezieht Ober- und Unterkörper gemeinsam ein. Ein klassisches Fahrradergometer oder Indoor Cycle legt den Schwerpunkt auf die Beinarbeit. Ein Air Bike eignet sich, wenn du Treten, Drücken und Ziehen verbinden und die Intensität unmittelbar durch deinen Einsatz verändern möchtest. Du kannst gleichmäßig fahren oder zwischen lockeren und anstrengenden Abschnitten wechseln. Eine feste Bremsstufe unabhängig vom Tempo wählst du bei den hier angebotenen Modellen nicht.
Ein Fahrradergometer mit elektronischer Wattregelung ist interessant, wenn du eine bestimmte Leistung vorgeben möchtest. Innerhalb seines Regelbereichs passt es den Bremswiderstand an deine Trittfrequenz an. Trittst du langsamer, erhöht es den Widerstand, trittst du schneller, reduziert es ihn. Das unterscheidet diese Funktion von einer reinen Wattanzeige am Air Bike.
Ein Indoor Cycle bietet eine stärker am sportlichen Radfahren orientierte Sitzposition und Bewegung. Den Bremswiderstand stellst du je nach Modell manuell oder elektronisch ein. Dieses Konzept passt zu dir, wenn du vor allem fahrradähnliche Einheiten absolvieren und Trittfrequenz und Widerstand gezielt kombinieren möchtest.
Luftwiderstand - Warum kleine Tempowechsel viel verändern können
Beim Air Bike bewegst du einen Rotor gegen den Luftwiderstand. Mit zunehmender Rotordrehzahl steigt der Widerstand. Eine kleine Steigerung der Trittfrequenz kann deshalb deutlich mehr Anstrengung verlangen, als du zunächst erwartest. Die Belastung verändert sich nicht wie bei einer festen Gewichtsstufe. Für den Einstieg lohnt es sich, zunächst einen gleichmäßigen Rhythmus zu finden. Beschleunige schrittweise und beobachte, wie sich deine Atmung und die angezeigte Leistung verändern. So lernst du, welches Tempo du über mehrere Minuten halten kannst und welches nur für kurze Abschnitte geeignet ist.
Welche Muskeln arbeiten beim Air Bike?
Beim Treten arbeiten vor allem Oberschenkel und Gesäß, während das Drücken und Ziehen an den Armhebeln Brust, Rücken, Schultern und Arme einbezieht. Die Rumpfmuskulatur hilft, deine Position auf dem Sattel zu stabilisieren. Wie stark einzelne Bereiche gefordert werden, hängt auch davon ab, wie du die Arbeit zwischen Armen und Beinen verteilst. Drückst und ziehst du nur leicht mit, übernehmen die Beine einen größeren Anteil. Setzt du die Armhebel aktiver ein, beteiligst du den Oberkörper stärker. Eine feste Belastungsverteilung lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Arme und Beine wirken gemeinsam auf dasselbe Antriebssystem.
Das macht das Air Bike zu einem vielseitigen Gerät für Ausdauer und Kraftausdauer. Für gezielten Muskelaufbau und maximale Kraft bleibt ein eigenständiges Krafttraining sinnvoll, bei dem du Bewegungen, Gewichte und Wiederholungen systematisch steigern kannst.
Gleichmäßige Ausdauer oder Intervalle
Für eine gleichmäßige Ausdauereinheit wählst du ein Tempo, das du über die geplante Dauer kontrolliert halten kannst. Bei einer bewusst lockeren Einheit solltest du noch in ganzen Sätzen sprechen können. Steigt die Anstrengung im Verlauf deutlich an, nimm etwas Tempo heraus, statt einer einmal erreichten Wattzahl hinterherzufahren. Beim Intervalltraining wechselst du zwischen stärkerer Belastung und Erholung. Dafür legst du vor dem Start drei Dinge fest. Die Dauer der Belastungsphase, die Dauer der Pause und die Anzahl der Wiederholungen. Nicht jedes Intervall muss ein maximaler Sprint sein.
Watt, Kalorien und Distanz richtig einordnen
Die Anzeigen deiner Konsole helfen dir, Trainingseinheiten zu strukturieren. Sie beantworten jedoch unterschiedliche Fragen:
- Zeit zeigt, wie lange du trainierst oder wie viel von einem festgelegten Abschnitt verbleibt.
- Trittfrequenz beziehungsweise RPM beschreibt die Kurbelumdrehungen pro Minute und hilft dir, einen gleichmäßigen Rhythmus zu halten.
- Watt, sofern angezeigt, beschreibt die vom Gerät ermittelte mechanische Leistung.
- Kalorien sind eine rechnerische Verbrauchsschätzung der Konsole und keine individuelle Stoffwechselmessung.
- Distanz ist ein vom Gerät berechneter Trainingswert und keine direkt übertragbare Strecke auf einem Fahrrad im Freien.
Für deine Fortschrittskontrolle sind Vergleiche auf demselben Gerät unter ähnlichen Bedingungen am aussagekräftigsten. Übertrage Kalorien-, Distanz- oder Wattziele nicht ungeprüft zwischen unterschiedlichen Air-Bike-Modellen. Konstruktion und Berechnung der Anzeigen können voneinander abweichen.
Air Bike und Krafttraining sinnvoll kombinieren
Als allgemeines Aufwärmen kannst du das Air Bike locker nutzen und das Tempo allmählich steigern. Ziel ist, vorbereitet in das folgende Training zu gehen. Für schwere Kniebeugen, Bankdrücken oder andere Kraftübungen gehören anschließend weiterhin passende Aufwärmsätze zur jeweiligen Bewegung dazu. Liegt dein Schwerpunkt auf Kraftleistung und sauberer Technik, plane anstrengende Air-Bike-Intervalle eher nach dem Krafttraining oder in einer separaten Einheit. Ein erschöpfender Sprintblock vor schweren Arbeitssätzen kann dazu führen, dass du diese nicht mehr in der geplanten Qualität ausführst.
In einem Zirkel zählt auch die Kombination mit den übrigen Übungen. Das Air Bike beansprucht neben den Beinen auch Arme und Oberkörper. Nach Zug- oder Druckübungen kann sich derselbe Bike-Abschnitt daher anders anfühlen als im ausgeruhten Zustand. Halte für Leistungsvergleiche Übungsreihenfolge und Pausenzeiten möglichst gleich.
Nur Arme oder nur Beine: Was dabei zu beachten ist
Bei entsprechend ausgestatteten Modellen kannst du den Schwerpunkt auf den Oberkörper legen, indem du die Füße auf die vorgesehenen Fußablagen stellst und den Rotor über die Armhebel antreibst. Nutze dafür ausschließlich die vom Hersteller vorgesehene Position. Beachte die mechanische Kopplung - Pedale und Armhebel können sich gemeinsam weiterbewegen, auch wenn du nur einen Bereich aktiv antreibst. „Nur Arme“ bedeutet daher nicht automatisch, dass die Pedale stillstehen. Das gilt entsprechend für die Armhebel beim beinbetonten Training.
Reduziere vor einem Positionswechsel das Tempo und beachte die Anleitung des jeweiligen Modells. Eine Fußablage oder ein beweglicher Griff ist kein beliebiger Ein- oder Ausstiegspunkt während eines laufenden Sprints.